Sie sind hier: StartseiteWir über unsNachrichtenHier irrte Mark Twain: Großer Patenabend des Bundessprachenamtes

Hier irrte Mark Twain: Großer Patenabend des Bundessprachenamtes

Präsident Wolfgang Steimels (r.) mit dem BeaMilPers BSprA, OTL Oberländer, Vizepräsidentin Maria Anna Wessel, Prof. Dr. Mojib Latif und Major Ajmal K. beim Großen Patenabend. Foto (© Funk/PIZ P) Lupe
Präsident Wolfgang Steimels (r.) mit dem BeaMilPers BSprA, OTL Oberländer, Vizepräsidentin Maria Anna Wessel, Prof. Dr. Mojib Latif und Major Ajmal K. beim Großen Patenabend.
Foto (© Funk/PIZ P)

Wer wäre da nicht aufgeregt: Vor rund dreihundert Gästen eine Rede halten, darunter Vertreter des diplomatischen Korps, hochrangige Gäste aus der Politik, dem Bundesministerium der Verteidigung und den Führungsebenen der Bundeswehr - und das in einer Sprache, die man vor gut einem halben Jahr erst zu erlernen begonnen hat! Aber selbst wenn er aufgeregt wäre: Man merkt es Ajmal K. nicht an. Ruhig betritt der pakistanische Major am Abend des 12. März die Bühne im festlichen Großen Saal der Offizierheimgesellschaft Köln-Wahn und rückt sich das Mikrofon zurecht: "Mark Twain sagte einst, dass ein begabter Mann Englisch in dreißig Stunden lernen kann, Französisch in dreißig Tagen und Deutsch in dreißig Jahren." Damit sind die ersten Lacher dem Sprecher des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst International (LGAI) sicher, der gemeinsam mit rund 60 weiteren Kameraden aus über 30 Nationen Deutsch als Fremdsprache am Bundessprachenamt in Hürth erlernt. Denn dessen engagierten Lehrkräften und dem intensiven Unterricht sei es zu verdanken, "dass es glücklicherweise doch deutlich weniger lang dauert, Deutsch zu lernen", führt Major K. fort.

Pate und Lupe
Pate und "Patenkind": Michael Hommes und Major Mohammed M.
Foto (© Funk/PIZ P)

An diesem Erfolg haben auch noch andere Anteil: Die Bürgerinnen und Bürger aus Hürth, Köln und Bonn, die sich als Patinnen und Paten der ausländischen Lehrgangsteilnehmer annehmen. Ihnen zum Dank wird jedes Jahr der Große Patenabend des Bundessprachenamtes ausgerichtet. Die Paten helfen bei den kleinen und großen Herausforderungen des Alltags, die sich außerhalb des Sprachunterrichts stellen: "Sie unterstützen uns nicht nur bei Wohnungssuche, Kinderbetreuung oder Kontoeröffnung - Sie sind uns auch Familie abseits der fernen Heimat", dankt der Lehrgangssprecher Ajmal K. im Namen seiner Kameraden den Patinnen und Paten und erntet großen Applaus. Einer der so Gelobten ist der Kölner Michael Hommes, der sich als Pate für einen Soldaten aus Ägypten engagiert. Der Oberstleutnant der Reserve war lange Jahre Mitglied einer internationalen Reservistenvereinigung, bevor er sich entschloss, auch in seiner unmittelbaren Umgebung ehrenamtlich tätig zu werden: "Und da ich über berufliche Kontakte mit Kairo verbunden bin, war klar, dass ich einem ägyptischen Offizier bei seiner Ausbildung in Hürth zur Seite stehen werde." Sein "Patenkind", der ägyptische Major Mohammed M., schätzt den persönlichen Austausch und die Möglichkeit, auch abseits des Klassenraums sein Deutsch zu üben. Und er habe mittlerweile auch gelernt, was unter anderem "typisch deutsch" sei: "Karneval! Da war ich mit auf dem Alt-Hürther Karnevalszug", freut sich der Offizier, "und Kamelle habe ich auch geworfen!"

OTL Markus König (r.), Betreuungsstabsoffizier am Bundessprachenamt, mit seinen Kameraden und zwei ausländischen Lehrgangsteilnehmern. Foto (© Funk/PIZ P) Lupe
OTL Markus König (r.), Betreuungsstabsoffizier am Bundessprachenamt, mit seinen Kameraden und zwei ausländischen Lehrgangsteilnehmern.
Foto (© Funk/PIZ P)

Das Patenprogramm, die Betreuung des LGAI mit zahlreichen Exkursionen und der Patenabend selbst liegen in den Händen der drei deutschen Betreuungsstabsoffiziere ("BeO") am Bundessprachenamt, je einer aus Heer, Marine und Luftwaffe. Der Luftwaffen-"BeO", Oberstleutnant Markus König, hat den Patenabend organisiert. Er ist beim anschließenden Stehempfang zufrieden: "Wenn man heute Abend in die Gesichter unserer ausländischen Kameraden und ihrer Paten schaut, dann weiß man, dass hier nicht nur Patenschaften übernommen worden, sondern auch Freundschaften entstanden sind."

Wolfgang Steimels, Präsident des Bundessprachenamtes, lobt das ehrenamtliche Engagement der Paten. Foto (© Funk/PIZ P) Lupe
Wolfgang Steimels, Präsident des Bundessprachenamtes, lobt das ehrenamtliche Engagement der Paten.
Foto (© Funk/PIZ P)

Das sieht auch Wolfgang Steimels, der Präsident des Bundessprachenamtes, so: "Aus Erfahrung wissen wir, dass unsere maßgeschneiderte Sprachausbildung nicht nur den Grundstein legt für spätere hochwertige Verwendungen der ausländischen Kameraden - die LGAI-Teilnehmer bleiben uns, ihren Paten und Deutschland auch über die Sprachausbildung hinaus eng verbunden." So kehren die LGAI-Teilnehmer später vielfach als Verteidigungsattachés ihres Landes nach Deutschland zurück und formen das politisch-militärische Klima mit.

Der Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif weist auf die Gefahren des Klimawandels hin. Foto (© Funk/PIZ P) Lupe
Der Klimaforscher Prof. Dr. Mojib Latif weist auf die Gefahren des Klimawandels hin.
Foto (© Funk/PIZ P)

Ein besonderer Höhepunkt für die LGAI-Teilnehmer, ihre Paten und die übrigen Gäste des Großen Patenabends war der Vortrag des Klimaexperten Prof. Dr. Mojib Latif. Der weltweit bekannte Professor vom Kieler GEOMAR-Institut sprach als Gastredner zu dem interessierten internationalen Zuhörerkreis und schilderte eindrucksvoll die Folgen des steigenden Kohlendioxid-Austoßes. Er verwies auf die Verantwortung aller Länder für das weltweite Klima und betonte, dass der Weg in die Klimakatastrophe umkehrbar sei, dies aber langanhaltender Anstrengungen bedürfe. Auch hier wurde den Zuhörern das bewusst, was die Lehrgangsteilnehmer schon beim Erlernen der deutschen Sprache und die Paten bei ihrem Engagement gemerkt haben: Wichtig ist, dass sich jeder Einzelne engagiert und dass letztlich alle mitmachen!



Stand vom 19.03.2015 | Text: C.Pietsch/Presse / Fotos: Funk/PIZ P