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Patenschaften für internationale Lehrgangsteilnehmer am Bundessprachenamt in Hürth

Das Bundessprachenamt vermittelt jedes Jahr Patenschaften, die nicht nur für die LGAI-Teilnehmer und ihre Familien eine Bereicherung darstellen. Foto: BSprA W.Sender Lupe
Das Bundessprachenamt vermittelt jedes Jahr Patenschaften, die nicht nur für die LGAI-Teilnehmer und ihre Familien eine Bereicherung darstellen.
Foto: BSprA W.Sender

Bereits seit Jahrzehnten vermittelt das Bundessprachenamt in Hürth erfolgreich Patenschaften für ausländische Soldaten aus mehreren Kontinenten. Während ihrer vorbereitenden Deutschausbildung auf den Lehrgang Generalstabs-/Admiralstabsdienst mit Internationaler Beteiligung (LGAI), der sich in Hamburg anschließt, lernen jährlich rund 60 Offiziere in Hürth mehrere Monate die deutsche Sprache. Ab August werden wieder Paten für neue Lehrgangsteilnehmer gesucht. Oberstleutnant Jürgen Koneczny, Betreuungsoffizier für den LGAI, erläutert im Interview, was es mit diesen Patenschaften auf sich hat.

Herr Koneczny, Sie sind Oberstleutnant der Bundeswehr, selbst Teilnehmer des Lehrgangs Generalstabs-/Admiralstabsdienst mit Internationaler Beteiligung (LGAI) und am Bundessprachenamt derzeit Betreuungsoffizier für Ihre Kameraden in diesem Lehrgang. Worum handelt es sich eigentlich bei diesen Patenschaften, die man übernehmen kann?

Eine Patenschaft zu übernehmen bedeutet, einen Lehrgangsteilnehmer für die Dauer von einigen Monaten zum Beispiel zu sich nach Hause einzuladen, gemeinsame Ausflüge zu unternehmen und mit Rat und Tat bei Problemen zur Seite zu stehen. Unser Ziel ist es dabei, den ausländischen Offizieren, von denen die meisten erstmals in Deutschland sind und denen die deutsche Kultur zumeist fremd ist, Einblicke in gesellschaftliche, politische, wirtschaftliche und militärische Bereiche Deutschlands zu geben. Auch sollen so die Sprachkenntnisse verbessert werden. Gerade der persönliche Kontakt zu Familien aus der Region wird von unseren Lehrgangsteilnehmern als eine Bereicherung und wichtige Erfahrung angesehen.

Was genau erwarten Sie von einem Paten?

Eine Patenschaft gestaltet sich individuell - es gibt da keine festen Vorgaben. Die Paten legen selbst fest, in welcher Form und in welchem Umfang sie sich um die Lehrgangsteilnehmer kümmern. Wir haben Paten, bei denen die Offiziere fast täglich zu Hause ein und aus gehen und schon als Teil der Familie gelten. Andere beschränken sich darauf, zwei- bis dreimal im Monat eine gemeinsame Unternehmung zu machen. Da wird gegrillt, gewandert, es werden gemeinsame Fotoabende veranstaltet oder zusammen Filme gesehen. Manchmal benötigt ein Offizier auch ganz praktische Hilfe, zum Beispiel beim Kauf eines Mobiltelefons, eines Computers oder wenn es darum geht, eine Reise durchzuführen. Andere brauchen Hilfe bei der Suche nach einem Kindergartenplatz.

Vermittelt Patenschaften zu den derzeit 59 ausländischen Offizieren aus 41 Nationen, die an der vorbereitenden Deutschausbildung für den Lehrgang LGAI am Bundessprachenamt teilnehmen: Oberstleutnant Jürgen Koneczny. Foto: BSprA W.Sender Lupe
Vermittelt Patenschaften zu den derzeit 59 ausländischen Offizieren aus 41 Nationen, die an der vorbereitenden Deutschausbildung für den Lehrgang LGAI am Bundessprachenamt teilnehmen: Oberstleutnant Jürgen Koneczny.
Foto: BSprA Frau Erk

Einen Kindergartenplatz für Offiziere?

Nun ja, einige Lehrgangsteilnehmer bringen auch ihre Familie mit nach Deutschland, manchmal mit zwei oder mehr kleinen Kindern. Wer für die Väter eine Patenschaft übernimmt, kann dessen Familie schlecht ausschließen. Gerade diese sind ja auch auf besondere Hilfe angewiesen, weil die Ehefrauen der Offiziere deutlich weniger soziale Kontakte haben als ihre Männer, die ja auch viele Kameraden im Bundessprachenamt haben.

Egal ob für eine Familie oder einen alleinstehenden Offizier: Wer eine Patenschaft übernimmt, muss also viel Zeit investieren?

Das ist ganz wichtig. Wir möchten nicht, dass Patenschaften nur pro forma übernommen werden und sich Paten ausschließlich zur offiziellen Begrüßung und Verabschiedung der Lehrgangsteilnehmer sehen lassen. Wir wollen, dass man sich wirklich um sie kümmert. Und man muss auch wissen, dass manche Lehrgangsteilnehmer mehr und andere weniger Aufmerksamkeit wünschen und brauchen. Das muss man immer individuell ausloten. Generell kann man aber sagen, dass sich Patenschaften gut mit dem Berufsalltag verbinden lassen. Denn da die Lehrgangsteilnehmer wochentäglich die Sprachausbildung besuchen, konzentriert sich auch bei ihnen viel Freizeit auf die Wochenenden. Gerade hier unternehmen viele Paten mit den Lehrgangsteilnehmern nichts anderes, als sie ohnehin mit der Familie vorhatten: Wandern, Einkaufen, Ausflüge, Familienfeiern oder ähnliches.

Manche LGAI-Teilnehmer bringen auch ihre Angehörigen zur vorbereitenden Sprachausbildung nach Hürth mit. Speziell Familien benötigen oftmals Unterstützung im Leben in einem für sie fremden Land. Foto: BSprA W.Sender Lupe
Manche LGAI-Teilnehmer bringen auch ihre Angehörigen zur vorbereitenden Sprachausbildung nach Hürth mit. Speziell Familien benötigen oftmals Unterstützung im Leben in einem für sie fremden Land.
Foto: BSprA W.Sender

Und was hat man als Pate von so einer Patenschaft?

Vor allem interkulturelle Erfahrungen. Unsere Paten berichteten uns immer wieder, wie angenehm der Umgang mit gut ausgebildeten Menschen aus vielen Nationen für sie ist. So können sie Gedanken austauschen und aus erster Hand mehr über fremde Länder erfahren. Viele helfen und unterstützen auch einfach gerne und engagieren sich mit Freude in dieser ehrenamtlichen Form für die Völkerverständigung. Viele unserer Paten berichteten uns, dass sie auch Jahre nach ihrer Patenschaft noch Kontakte zu den ehemaligen Lehrgangsteilnehmern pflegen - die dann manchmal schon herausgehobene militärische Funktionen in ihren Heimatländern übernommen haben.

Wer sollte denn Pate werden?

Zunächst nur derjenige, der wie gesagt auch etwas Zeit und Geduld mitbringt und sich fremden Kulturen öffnen möchte. Die Sprachausbildung findet über die Dauer von bis zu elf Monaten - beginnend jeweils im August - in Hürth statt. Lehrgangsteilnehmer mit besseren Deutsch-Kenntnissen kommen dann im November und Februar zu uns. Wir empfehlen es auch nur Menschen aus dem Großraum Köln/Bonn, eine Patenschaft zu übernehmen. Wer weiter weg wohnt, kann einfach nicht intensiv betreuen. Man muss auch beachten, dass die meisten Stabsoffiziere kein eigenes Auto besitzen und auf Abholung oder öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind.

Muss man Angehöriger der Bundeswehr sein, um eine Patenschaft zu übernehmen?

Nein. Wir haben zwar Beschäftigte der Bundeswehr sowie Reservisten unter unseren Paten, aber mehr als die Hälfte aller Paten gehört nicht zur Bundeswehr. Darunter befinden sich Berufstätige und auch Pensionäre. Das ist bunt gemischt. Auch ein Lokalpolitiker übernimmt bei uns regelmäßig eine Patenschaft.

Patenschaften bedeuten auch gemeinsame Feierlichkeiten wie den Großen Patenabend und die Verabschiedungsfeier für die LGAI-Teilnehmer, die jedes Jahr stattfinden. Vor allem zwischen diesen Terminen gilt es für die Paten, die ausländischen Offiziere mit Rat, Tat und Freundschaft zu unterstützen. Foto: BSprA W.Sender Lupe
Patenschaften bedeuten auch gemeinsame Feierlichkeiten wie den Großen Patenabend und die Verabschiedungsfeier für die LGAI-Teilnehmer, die jedes Jahr stattfinden. Vor allem zwischen diesen Terminen gilt es für die Paten, die ausländischen Offiziere mit Rat, Tat und Freundschaft zu unterstützen.
Foto: BSprA W.Sender

Wie können sich denn potentielle Paten weiter informieren, wenn sie mit dem Gedanken spielen, einen Lehrgangsteilnehmer zu betreuen?

Ich selbst und mein Nachfolger Major Lederer stehen jederzeit zur Verfügung, um mit Interessierten zu besprechen, welche Möglichkeiten es für eine Patenschaft gibt. Dabei kann man durchaus auch spezielle Interessen berücksichtigen. Wenn sich also beispielsweise jemand privat mit asiatischer Kultur befasst, können wir gerne prüfen, ob wir einen Lehrgangsteilnehmer aus Asien vermitteln können. Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Patenprogramm!

Anmerkung der Redaktion: Oberstleutnant Koneczny und sein Nachfolger Major Lederer stehen Interessierten unter Telefon 02233/593-5667 zur persönlichen Beratung gern zur Verfügung.



Stand vom 08.07.2010 | Text: Presse/ Wolfgang Sender